Chronik

1910 bis 1918

Die Gründung der Frohnauer Wehr unterscheidet sich von den anderen in dieser Reihe in einem wesentlichen Punkt: Während alle Wehren aus Dorfgemeinschaften heraus entstanden, die es schon seit Jahrhunderten gab, existierte der Ort Frohnau erst ganze drei Wochen. 3000 Morgen Land hatte der Fürst Henckel von Donnersmarck gekauft und durch die von ihm gegründete Berliner-Terrain-Centrale (BTC) nach einem Wettbewerb als Gartenstadt mit Strassen, Schmuckplätzen und öffentlichen Gebäuden in den Jahren 1909-1910 bebauen lassen.

Selbst der Name „Frohnau“ war das Ergebnis eines Wettbewerbs. Zwischen dem Landratsamt Nieder-Barmin und der BTC war ein Ansiedlervertrag geschlossen worden. Unter anderen Auflagen hatte die BTC für die Errichtung einer Feuerwehr zu sorgen. Dafür mussten 2 Morgen Land sowie erforderliche Gebäude und Geräte im Wert von 25000 Mark bereitgestellt werden. Als Platz wurde ein Grundstück in der Strasse 77, der heutigen Remstaler Strasse, bestimmt. Für eine Feuerwehr ist der Standort ungünstig, weil er nicht in der Mitte des Ortes liegt. Damals hatte er jedoch den größeren Vorteil, dass direkt gegenüber der Wache der Wirtschaftshof („alter Gutshof“) lag, in dem die BTC ihre Fuhrwerke und Pferde untergebracht hatte und in dem auch viele Arbeiter wohnten.

Den Entwurf des Gebäudes lieferten die Architekten Straumer und Herrmann. Weil das Gebäude dem Charakter der Villenkolonie entsprechen sollte, wurde der eingeschossige Bau als ausgemauerte Holzkonstruktion mit Reetdach und hölzernem Steigeturm ausgeführt. Im Erdgeschoss waren 5 Remisen, im ausgebauten Dachgeschoss lagen 3 Wohnungen, erreichbar über eine Aussentreppe und einen Balkon. Der Bauschein war datiert vom 25.10.1910, die Fertigstellung war im Frühjahr 1911. Zwischen der BTC und den ersten Siedlern kam es aufgrund der unterschiedlichen Interessenlage zu Spannungen. Die BTC musste alles tun, um durch zügigen Verkauf von Grundstücken ihre hohen Vorleistungen zu amortisieren und sie gab deshalb eine Vielzahl von Versprechungen ab, die dann aus finanziellen Gründen und auch wegen des ersten Weltkrieges und der durch ihn bedingten Stagnation der Bautätigkeit nicht einzuhalten waren. Als hauptsächliche Streitpunkte erwiesen sich die Verkehrsverhältnisse, das Schulwesen – die versprochenen Schulen Gymnasium und Lyzeum wurden nicht dauerhaft etabliert und gingen schließlich nach Hermsdorf – sowie die Wasserversorgung durch das zu kleine Wasserwerk in Hermsdorf, das nur brackiges Wasser mit geringem Druck lieferte und im Sommer nachmittags die Lieferung oftmals völlig einstellen musste. Unter diesen Querelen litt auch die Bildung der Feuerwehr. Sie wurde von den Siedlern als eine von der BTC versprochenen Infrastruktureinrichtung angesehen. Mit gewissem Recht, denn die BTC warb in ihren Prospekten ausdrücklich „die bestehende Feuerwehr ist mit den modernsten Einrichtungen des Feuerlöschwesens ausgerüstet“. Das Funktionieren der Feuerwehr konnte man demnach fordern, die Notwendigkeit, selbst etwas dafür tun zu müssen, war nicht gegeben. Die ersten Mitglieder der Feuerwehr waren daher ausschließlich Arbeiter und Angestellte der BTC. Sie wurden im Sommer 1910 durch einen Oberfeuerwehrmann der Berliner Feuerwehr ausgebildet. Zu diesem Zeitpunkt gab es weder das Wachgebäude noch den Gerätewagen, der erst Ende Juli 1910 geliefert wurde. Über seine Beladung stand in der Zeitung am 28.07.1910: „Der moderne 11 sitzige Mannschafts- und Gerätewagen ist bestückt mit einer Ewaldschen Steckleiter, Feuerhaken, Hakenleiter, Krankenbahre, Ewaldscher Feuerlöscheimer mit 10m Schlauch zur Verwendung bei Stubenbränden, Äxten und Spaten für Waldbrände und anderen Gerätschaften. Ferner ist ein Sauerstoffapparat mit 240 L Füllung, Fackelbeleuchtung und einer Acetylenlampe vorhanden.“

Neben der Schmiede wurde ein Gerüst für Leiterübungen gebaut. Das Üben wurde später am Steigeturm des Wachgebäudes durchgeführt. Der erste Wehrführer warf aus unbekannten Gründen im Frühjahr 1911 das Handtuch, danach führte bis Beginn des ersten Weltkrieges ein Maschinist die Wehr. Am 24.09.1910 wurde die Wehr offiziell in Dienst genommen. Ihren ersten Einsatz fuhr die Wehr am 22.10.1910 zu einem Brand im heutigen Ludolfinger Weg. Wie in fast jedem Zeitungsbericht dieser Jahre über die Einsätze der Frohnauer Feuerwehr ist ein spöttischer Unterton nicht zu überhören. Bei der dünnen Besiedlung sind die Feuer vermutlich erst durch einen deutlichen Feuerschein und nicht bereits zum Zeitpunkt der Entstehung bemerkt worden. Alarmierungen über Telefon oder Notrufmelder gab es nicht. Selbst bei der Annahme, dass der Einsatzort schnell gefunden wurde und die erforderlichen Wehrmänner wegen ihres Wohnens in der Nachbarschaft schnell zu erreichen waren, hatte die Anfahrt mit dem Pferdewagen durchschnittlich10 min. gedauert. Die Berliner Feuerwehr hat heute außer den Aufgaben Brandschutz und technische Hilfeleistung auch kranke und verletzte Personen in akuten Notfällen zu versorgen. Diese Aufgaben wurden bis etwa 1935 in Frohnau von der Freiwilligen Sanitätskolonne übernommen, die deshalb auch als Vorläufer der heutigen Feuerwehr anzusehen ist. Die Sanitätskolonne Frohnau wurde ebenfalls im Juni 1910 gegründet. Es ist interessant, wie gut im Vergleich zur Feuerwehr das Ansehen dieser Vereinigung war, wenn man den Zeitungsberichten vertrauen darf. Die Kolonne wurde von einem Arzt geleitet und in ihr engagierten sich auch „die Frohnauer“ selbst. Die Kolonne bekam Uniformen mit weißen Mützen und goldenen Abzeichen und neben Verbandskästen wurde eine fahrbare Ewaldsche Krankentrage neuster Konstruktion mit Schwenkachse angeschafft. Der Ton der Berichte über die Einsätze der Sanittskolonne ist deutlich positiver als bei der Feuerwehr gewesen. In materieller Hinsicht ging es der Wehr nicht schlecht. Es war ständig ein Gespann im Wirtschaftshof für die Feuerwehr verfügbar.

Ebenfalls hatte jeder Wehrmann einen Steigergürtel. Auch eine pferdebespannte mechanische Leiter wurde in Frohnau angeschafft, obwohl es hier kaum Einsatzobjekte gab, die ihren bedarf erforderten. Der Sommer 1911 brachte mit einer langen Trockenperiode eine große Zahl von Wald- und Grasbränden. So wurden Anfang August 10 Alarme in einer Woche gemeldet. Die Bekämpfung der Brände war schwierig, weil der Gerätewagen kein Löschwasser mit sich führte und auch keine Pumpe besaß, die den Druck des Wassers aus den Hydranten verstärken konnte. So musste in der Regel durch Aufwerfen von Sand und durch Ausschlagen mit abgeschnittenen Zweigen gelöscht werden, was bis zu 4 Stunden dauerte. Der bereits erwähnte Wassermangel war ein zusätzliches Ärgernis. Der Wasserturm auf dem Hermsdorfer Friedhof war abends leer und das Wasserwerk in Hermsdorf konnte ihn nur langsam wieder füllen. Die BTC gab über ihr eigenes kleines Wasserwerk nur geringe Mengen in Eimern und Krügen ab, es stand für Löschzwecke natürlich nicht zur Verfügung. In der geruhsamen Zeit, in der jeder Diebstahl eines Fahrrades oder aufgehängter Wäsche der Zeitung einen ausführlichen Artikel wert war, wurde jeder Feuerwehreinsatz und sogar die Fehlalarme erwähnt. Zur Alarmierung der Feuerwehr wurde in diesen Jahren Feuerhörner benutzt, die auf 14 Meldestellen im Ort verteilt waren. Es gab unterschiedliche Signale die mehrfach wiederholt wurden:

  • 1 Ton bedeutete: Übung
  • 2 Töne bedeuteten: Feuer außerhalb
  • 3 Töne bedeuteten: Feuer im Ort

Bei eingehender Meldung wurde das Signal sofort geblasen, das dann von anderen Meldestellen gehört und weitergegeben wurde. Die Wagen fuhren dabei ohne Formalitäten auf die Entscheidung des Wehrführers auch in die Nachbarorte. Die Feuerwehr Frohnau ist oft nach Glienicke und gelegentlich sogar nach Waidmannslust zu Einätzen gefahren. Die Fahrer mussten sich den Einsatzort mühsam suchen, die Kräfte vor Ort wussten nicht, ob und von wem Hilfe zu erwarten war. Nur bei Großeinsätzen, z.B. beim Brand der Humboldt-Mühle (27.06.1912), wurden die Einheiten telefonisch angefordert. An diesem Einsatz waren neben der Berufswehr Schillerpark auch 10 Freiwillige Feuerwehren, darunter auch Frohnau, beteiligt. Der Ausbruch des ersten Weltkrieges brachte die Bautätigkeit in Frohnau zum Erliegen. Außer dem Brandmeister wurden alle Feuerwehrmänner zum Militär eingezogen. Erstmalig erging ein Aufruf an die Frohnauer, sich für die Tätigkeit bei der Feuerwehr zur Verfügung zu stellen. Während des Krieges – wie auch beim zweiten Weltkrieg – fehlen in der Zeitung praktisch alle Artikel über Feuerwehreinsätze und ähnliche Vorkommnisse. Aus persönlichen Erinnerungen ist bekannt, das der Ortspfarrer mit Unterstützung jugendlicher Pfadfinder, viele Aktivitäten von Feuerwehr und Sanitätskolonne übernahm. Nach der Errichtung der Lazarette mussten mehrmals Verwundete aus Eisenbahnzügen ausgeladen werden. Weil Frohnau keinen Güterbahnhof besaß und die Züge eine beträchtliche Länge hatten, war dies eine mühsame Tätigkeit.

1919 bis 1945

Im letzten Kriegsjahr hatte ein Brandmeister die Leitung der Frohnauer Feuerwehr Übernommen. Das war kein leichtes Amt, denn die bewährten Kräfte standen ihm nicht mehr zur Verfügung: Entweder hatten sie nicht Überlebt, oder sie waren nicht mehr bei der BTC beschäftigt, die ihre Bautätigkeit sehr eingeschränkt hatte. Dann jedoch wurde von der BTC wieder Personal zur Verfügung gestellt. In den Sitzungen des Grundbesitzervereins wurde jedoch weiter über die schlechte Wasserversorgung und über Mängel im Feuerwehrwesen diskutiert. Ein Aufruf, dass sich „aus großen Bestand hiesiger Sportjünger“ Mitglieder melden sollten, hatte keinen Erfolg. Durch die wenigen Mitglieder hatte die Feuerwehr große Probleme ihre Aufgaben zu erfüllen. Die Männer der Wehr bemühten sich sehr um Werbung für die Feuerwehr. Um der leidigen Gespannfrage abzuhelfen, wurde 1924 ein NSU-Kraftfahrzeug gekauft und zu einem Geräewagen umgebaut. Die Ladung entsprach der des pferdegespannten Gerätewagens, 10 Mann konnten transportiert werden. Der Wagen stellte sich als Sorgenkind heraus, er hatte eine zu geringe Motorleistung und war oft in Reparatur. Allerdings hatte er auch schon einige Jahre auf dem Buckel und war im Krieg als Militäfahrzeug eingesetzt gewesen. Durch ein großs Schadensfeuer am 02.08.1927, wurde den Frohnauern gezeigt, wie wichtig fü jeden Einzelnen eine funktionierende Feuerwehr im Ernstfall ist. 17 Jahre lang hatte man in dem Glauben gelebt, „was soll bei uns schon brennen“.

Außer einigen Kellerbränden und zwei abgebrannten Holzhäusern hatte es nur Gras- und Waldbrände ohne nennenswerten Schaden gegeben. In der Folgezeit stieg die Anzahl der Wehrmänner in Frohnau von 16 auf 26 Mann. Auch waren 30 fördernde Mitglieder beigetreten, die 4 Mark/Jahr zahlten. Möglicherweise trug auch zum Aufschwung bei, dass die Führung der Wehr gewechselt hatte. Nach allen Berichten war der neue Wehrführer fachlich kompetent, verbesserte mit intensiven Schulungen und einfallsreiche Übungen den Kenntnisstand der Wehr und war auch außerdienstlich für alle Sorgen und Näte der Kameraden da. Er wurde respektiert und allgemein mit „Herr Brandmeister“ und „Sie“ angeredet. Er hatte auch Talent im Umgang mit den Einwohnern und dem einflussreichen Grundbesitzerverein, hielt dort Vorträge und erhöhte so das Interesse an den Belangen der Ortsfeuerwehr. In diesen Jahren ereigneten sich auch die ersten Verkehrsunfälle, die in der Heimatzeitung ausführlich beschrieben wurden. 1929 klingen die Berichte der Feuerwehr schon sehr selbstbewusst. Erstmalig dankte sogar der Grundbesitzerverein der Feuerwehr für ihre Arbeit!!! Der Übergang in das „dritte Reich“ verlief für die Frohnauer Feuerwehr ohne bedeutsame Eingriffe. Zwar wurden sämtliche Vereinigungen „gleichgeschaltet“ und dabei missliebige Mitglieder entlassen, die Feuerwehr war aber schon damals durch ihren humanitären Auftrag weitgehend unpolitisch.

Im Jahresbericht 1933 wird zwar etwas unmotiviert das neue Reichsfeuerlöschgesetz gelobt und erwähnt, dass „die neue Regierung der nationalen Revolution den Freiwilligen Feuerwehren die Unterstützung gibt, die bisher behördlicherseits oft gefehlt habe“, aber sonst galt wohl weiter, dass unter den Wehrmännern „keine sozialen und politischen Unterschiede, sondern nur Tüchtigkeit und Hilfsbereitschaft gelten“. In den Jahren bis zum Ende des 2. Weltkrieges hatte die Frohnauer Feuerwehr keinerlei Personalsorgen. Die Mitglieder wurden nicht gedrängt, in andere Organisationen des Staates einzutreten, und so war die Freiwillige Feuerwehr eine elegante Möglichkeit, Über diese Zeit zu kommen, ohne sich für oder gegen das Regime zu stellen. Am 01.09.1939, dem Tag der Mobilmachung, wurden die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr dienstverpflichtet und im Wachgebäude kaserniert. Sie schliefen auf Strohsäcken im Dachgeschoss bzw. in der Fahrzeughalle. Einmal wöchentlich erhielten sie für 12 Stunden Urlaub. Die Jahre vor dem Beginn der regelmäßigen Luftangriffe waren geruhsam, weil nur noch die normalen Tätigkeiten anfielen. In dieser Zeit wurde ein Luftschutzstollen neben der Wache gebaut und ein Teil des Gebäudes unterkellert. Die Frohnauer Feuerwehr wurde mit Kräften des sogenannten „Sicherheits- und Hilfsdienst“ zu einem Vollzug aufgestockt. Die Mannschaft war in einem naheliegenden Restaurant untergebracht.

Ein zusätzliches Löschfahrzeug mit geschlossenem Aufbau wurde stationiert. Am 13.11.1941, einem bitterkalten und stürmischen Tag, brannte abends um 21.45 Uhr das Wachgebäude infolge eines überheizten Ofens. Die Stammgruppe der Wache begann sofort mit dem Sichern der Fahrzeuge und mit der Brandbekämpfung, die bei dem starken Wind für das Reetdach und den hölzernen Steigeturm natürlich ohne Hoffnung waren. Hartnäckig hielt sich das Gerücht, die Mannschaft habe im Restaurant bei Bier und Skat gesessen und die Brandmeldung für einen Witz gehalten. Die im Restaurant einquartierten Männer wurden von dem Fahrer geholt und glaubten an den Einsatzgrund erst, als sie den roten Himmel in Richtung Wachgebäude sahen. Das Dachgeschoss und der Steigeturm waren nicht zu retten. Sonst konnte der Schaden begrenzt werden. Die Wache wurde 1942 auf den alten Grundmauern mit einem andersartigen Dachstuhl wieder aufgebaut. Ein Steigeturm ist nicht wieder errichtet worden. Während der schweren Jahre der Luftangriffe war die Feuerwehr vorwiegend außerhalb des Ortes im Einsatz. Die Löscharbeiten in der Innenstadt dauerten tagelang. In der Nacht vor der Besetzung durch russische Truppen am 21./22. April 1945 erhielt die Berliner Feuerwehr den Ausrückebefehl und wurde in größeren Verbänden in Richtung Westen verlegt. In Hermsdorf waren bereits die Panzersperren geschlossen, so dass ein Umweg gemacht werden musste. Gemeinsam fuhren die Feuerwehren von Heiligensee, Reinickendorf-Ost, Frohnau und der Entgiftungszug Hermsdorf nach Lübeck. Man geriet in englische Gefangenschaft. Die Fahrzeuge kamen nicht wieder nach Berlin zurück. Der Daimler Gerätewagen soll noch für lange Jahre in der Gegend von Eutin im Dienst gewesen sein.

1946 bis 1985

Das Ende des 2. Weltkrieges war für das Leben der Stadt und damit natürlich auch für die Feuerwehr von ungleich stärkerem Einfluss als das des 1. Weltkrieges. Im Juli 1945 gab es in Berlin noch 9 Löschfahrzeuge, die Mannschaften waren in alle Winde verstreut. Bei ihrer Rückkehr nach Berlin brachten sie nur einen kleinen Teil der Geräte zurück, mit denen sie Berlin verlassen hatten. Die Besatzungsmächte hatten in ihren Sektoren unterschiedliche Regeln, welche Voraussetzungen für ein weiteres Wirken in der Feuerwehr erforderlich waren. Das galt auch für die Freiwillige Feuerwehr. So waren nur wenige altgediente Wehrmänner verfügbar. Die Wehr bestand aus weniger als 10 Männern. Bei der allgemeinen Ablehnung „alles Uniformierten“ und der Notwendigkeit, alle Kraft darauf zu verwenden, die eigene Familie über diese Jahre zu bringen, war das Werben neuer Mitglieder ein hoffnungsloses Unterfangen. Nach persönlichen Erinnerungen war das erste Fahrzeug nach dem Krieg auf der Feuerwehr Frohnau ein englisches Sanitätsfahrzeug, das zu einem Gerätewagen umgebaut wurde. Es behielt seinen Tarnanstrich und hatte weder einen Löschwassertank noch eine eingebaute Motorpumpe. Zur Wasserförderung musste stets ein Anhänger mit einer tragbaren Motorpumpe mitgeführt werden.

Weil der Einstieg in den Mannschaftsraum nur durch eine Flügeltür am Heck des Fahrzeugs möglich war, musste beim Eintreffen an der Einsatzstelle die Mannschaft erst durch Abkoppeln des Anhängers durch Fahrer und Beifahrer „befreit“ werden. Der liegende Transport von Personen war mit diesem Fahrzeug sehr mühsam. Die Trage wurde durch die Hecktür eingeschoben. Dann war nur noch sehr wenig Platz für die Mannschaft vorhanden, die während der Fahrt darauf achten musste, dass keine Geräte aus den Fächern auf den Liegenden fiel. Für lange Jahre, vermutlich ab 1953, hatte die Wehr dann ein LF 15 vom Typ Opel Blitz (Baujahr 1943, seit November 1945 bei der Berliner Feuerwehr im Dienst). Dieses Fahrzeug hatte erstmalig einen eingebauten Wassertank und eine Feuerlöschkreiselpumpe. Die Leitung der Berliner Feuerwehr vertrat in diesen Jahren die Meinung, dass in einer modernen Grossstadt für eine Freiwillige Feuerwehr kein Bedarf mehr vorhanden sei. So wurden zwischen 1954 und 1957 10 Freiwillige Feuerwehren in Berlin aufgelöst und ihre Bezirke von Berufswehren übernommen. 5 dieser Wehren, darunter auch Hermsdorf und Waidmannslust, lagen im Bezirk Reinickendorf. Auch die Tatsache, dass bei Alarmierung der verbleibenden Freiwilligen Feuerwehren grundsätzlich Fahrzeuge der Berufswehren zusätzlich ausrückten, trug nicht zur Motivation und zum Erhalt ihres Selbstbewusstseins bei. Das Umdenken der Branddirektion nach 1957 fand Ausdruck im Berliner Feuerwehrgesetz von 1965, in dem die Aufgaben und die Organisation der Feuerwehr unter Einbeziehung der Freiwilligen Feuerwehren geregelt wurde. 1972 wurde mit der Freiwilligen Feuerwehr Wittenau erstmalig wieder eine Wehr neu gegründet. Sie war die erste der Art von Wehren, die bei einer Berufsfeuerwehr untergebracht sind. Diese Wehren werde bei Grosseinsätzen und Ausnahmezuständen alarmiert und haben 30 min. Zeit, ihre Einsatzbereitschaft zu melden. Daneben führen sie mit eigenen Fahrzeugen zeitlich geregelten Einsatzdienst durch. Damit ist es heute auch den Berlinern möglich bei der Feuerwehr freiwillig mitzuarbeiten, die nicht im Ausrückebezirk einer der Freiwilligen Wehren des alten Typs wohnen. Etwa 1968 wurde mit einem LF 16 (Magirus, Baujahr 1964) ein modernes Löschgruppenfahrzeug in Dienst gestellt, das dort bis 1981 seinen Dienst versah. Der allgemeine Aufschwung der Freiwilligen Feuerwehren Berlins hatte Frohnau damals noch nicht erreicht. Für Einsätze während der Werktage waren selten die für eine ordnungsgemäße Fahrzeugbesetzung erforderlichen Männer zusammen. Deshalb war die Regelung vernünftig, zu jedem Einsatz automatisch die nächstgelegene Berufswehr zur Mithilfe zu alarmieren. Diese Praxis wurde im gesamten Berliner Stadtgebiet bis 1969 ausgeübt, für Frohnau und Lübars mussten sie noch bis 1975 beibehalten werden. Die Funktion des Hauspostens mussten gelegentlich Ehefrauen der in der Nachbarschaft wohnenden Wehrmänner Übernehmen.

Ein Feuerwehrmann der Betreuungswache Hermsdorf hat in Frohnau ständig Dienst, um Ereignismeldungen über Funk, Telefon oder persönlich entgegenzunehmen. Er ist auch zuständig für die Pflege von Fahrzeugen und Geräten, soweit das auf der Wache durchführbar ist und steht natürlich auch für Einsätze zur Verfügung. Zur Alarmierung der Wehrmänner wurde 1968 eine wesentliche Neuerung eingeführt. Jeder erhielt ein Selektivrufgerät, das von der Leitstelle der Berliner Feuerwehr in Siemensstadt ausgelöst werden kann. Die Geräte einer Wehr werden dabei mit einem bestimmten Funksignal angesprochen. Der erste Gerätetyp hatte die Größe einer Zigarrenkiste mit einer 1m langen Antenne. Die Geräte waren noch zu schwer und zu groß, um sie am Körper zu tragen, sie erhielten in der Regel ein Stammplatz in der Wohnung. Nach ihrer Einführung konnte zwischen 20 und 6 Uhr auf den Sirenenalarm verzichtet werden, der bei der ständig steigenden Zahl von Alarmierungen zu einem Ärgernis für viele Einwohner geworden war. Mit der Neufassung des Feuerwehrgesetzes von 1974 wurden Aufgaben, Ausbildung und Dienstzeit gesetzlich geregelt. Für die Ausbildung, die bisher weitgehend wachintern abgewickelt worden war, wurde jetzt eine Abteilung der Berliner Feuerwehr zuständig. Die Kurse finden seit dieser Zeit in der Feuerwehrschule in Schulzendorf statt. Die Ableistung der Grundausbildung mit 200 Unterrichtsstunden wurde nun für die beiden ersten Dienstjahre obligatorisch. Anschliessend können in weiteren Kursen Funktionen wie Fahrer, Maschinist und Funksprecher erworben werden. Eine weitere Aufwertung der Freiwilligen Feuerwehren brachte 1969 die Übernahme des Rettungsamtes Berlin durch die Feuerwehr. Durch diese Maßnahme stieg die Zahl der Einsätze erheblich an, weil nun auch in akuten Krankheitsfällen – wie z.B. Herzinfarkte – die Feuerwehr zu Erstversorgung und Transport alarmiert wurde.

Durch Werbeaktionen im Rahmen der Brandschutzwochen und durch „Tage der offenen Türen“ in verschiedenen Feuerwachen wurden die Berliner problembewusster für die Aufgaben der Feuerwehr. Die Zahl der Mitglieder in Frohnau stieg auf 20 und blieb seit dieser Zeit in dieser Größe. Durch die Verbesserung von Ausbildungsstand und Motivation fiel die Zahl der unbesetzten Alarme rapide ab, was zu Folge hatte, dass 1975 auch wieder der Frohnauer Feuerwehr die Selbstverantwortung für ihre Einsätze Übertragen wurde. Die Berufsfeuerwehr wird seit dieser Zeit nur in folgenden Fällen in Frohnau tätig: – wenn die Frohnauer Wehr nicht innerhalb von 3 Minuten die alarmierten Fahrzeuge besetzen kann – wenn Geräte erforderlich werden, die in Frohnau nicht stationiert sind (wie Drehleiter, Schlauchwagen) – wenn die Frohnauer Feuerwehr von der Einsatzstelle zusätzliche Hilfe anfordert. 1973 wurde ein Krankentransportwagen (KTW, VW-Bus) und 1975 ein Tanklöschfahrzeug (TLF16, Magirus) in Dienst gestellt. Der KTW fährt in etwa 75% der Alarme entweder allein oder gemeinsam mit dem Löschgruppenfahrzeug. Mit diesem speziell eingerichteten Fahrzeug wurde die Erste-Hilfe und der liegende Transport von Personen wesentlich erleichtert. Das Tanklöschfahrzeug kann aus seinem Löschwassertank von 2400l je nach Art und Zahl der Strahlrohre bis zu 20 min. Wasser geben. Es ist deshalb für Gras- und Waldbrände das Fahrzeug der Wahl. Das Jahr 1976 brachte – Ähnlich wie 1911 – durch seine extreme Trockenheit eine große Zahl von Wald- und Grasbränden. In diesem Jahr wurden auch die Selektivfunkgeräte ausgetauscht. Der neue Typ hat nur noch die Größe einer dicken Zigarre und kann in der Brusttasche getragen werden. Nachts werden die Empfänger in einem Ladegerät deponiert und sind dann wieder für gut 12 Stunden betriebsbereit. Sie alarmieren erstaunlich zuverlässig auch bei schlechten Empfangsverhältnissen. Seit ihrer Einführung kann auf den Sirenenalarm völlig verzichtet werden. Die Sirene wird nur noch einmal im Monat zur Probe ausgelöst. Die Rufgeräte sind sehr robust. Am 03.07.1981 fand ein Tausch des KTW in einen Rettungswagen (RTW, Daimler Benz) statt. In diesem Fahrzeug ist gutes Arbeitslicht und um die Krankentrage herum viel Platz vorhanden, so dass während der Fahrt zwei Feuerwehrmänner gleichzeitig Hilfe leisten konnten.

Durch die federnd gelagerte Krankentrage und die Vakuummatratze ist ein schonender Transport vor allem von Personen, bei denen Wirbelsäulenverletzungen, Beckenbrüche oder andere schwere Frakturen vermutet werden, gewährleistet. Die Vakuummatratze ist ein mit Kunststoffkugeln gefüllter Plastiksack. Sie wird auf die Trage gelegt und aufgeschüttelt. Dann wird die verletzte Person vorsichtig darauf gelagert und die Luft aus dem Sack mit einer Pumpe abgesaugt. Dabei entsteht ein hartes, dem Körper genau angepasstes Bett, in dem ein sachgerechter Transport und sogar Röntgenaufnahmen möglich sind. Leider haben wir nach schweren Verkehrsunfällen, Fensterstürzen oder Ähnlichen Unfällen etwa einmal monatlich Bedarf für dieses Gerät. Nicht ohne Wehmut nahmen wir 1982 Abschied von den altgedienten Magirus- Fahrzeugen. Sie wurden durch wesentlich neuere MAN – Fahrzeuge in der Tageslichtleuchtfarbe mit Rolladen aus Aluminium statt der unfallträchtigen Flügeltüren vor den Gerätefächern ersetzt. Um diese Normfahrzeuge mit größerer Bauhöhe in der Wache unterbringen zu können, musste der Fußboden um 30cm abgesenkt werden. Bei diesem Umbau wurde auch die Sirene aus dem Dachgeschoss herausgenommen und neben der Wache aufgestellt. Weil die neuen Fahrzeuge auch breiter sind, ist das Einparken der Wagen – wegen der schnellen Abfahrtmöglichkeit natürlich Rückwärts – jetzt eine „Millimeterarbeit“, die von Fahrer und Einweiser viel Konzentration erfordert.

Im Sommer 1982 gab es wieder viele Einsätze in Folge langer Trockenheit. So wurden Kiefernschonungen bewässert und durch Umpumpen das Wasser des Hubertussees mit Sauerstoff angereichert. Am 05.08. bewahrten wir den Poloplatz vor dem völligen Austrocknen der Rasenfläche. Eine Umorganisation der Berliner Feuerwehr wurde 1983 vorgenommen. Eine Reihe von Aufgaben wurden dabei von der Direktion auf die Brandschutzabschnitte dezentralisiert. Frohnau gehört zum Abschnitt Nord und wechselte die Wehrnummer von 82 in 132. Bei diesen Organisationsänderungen versucht man stets statistische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Bei den Alarmierungen ist das schwierig. So folgte oftmals nach Tagen ohne Alarmierung plötzlich eine Häufung ohne ersichtlichen Grund. In den vergangenen 10 Jahren kam es – abgesehen von Ausnahmezuständen – zweimal vor, dass unsere 3 Fahrzeuge zu getrennten Einsätzen fuhren. In solchen Extremfällen ist unsere Mannschaftsstärke mit 23 Mann natürlich knapp, und es mussten an beiden Tagen auch Männer mit privaten Wagen von der Einsatzstelle zur Wache gebracht werden, um das neu alarmierte Fahrzeug zu besetzen. In einem Fall dieser Art half uns auch ein Funkstreifenwagen der Polizei beim Mannschaftstransport. Sonst war die Wehr Personal- und gerätemäßig gut gerüstet und voll Zuversicht, die im Ort anfallenden Aufgaben sachgerecht lösen zu können. Das Verhältnis zu den Einwohnern, den Ärzten, den Krankenhäusern und der Polizei gab aus der Sicht der Frohnauer Feuerwehr keinen Anlass zum Klagen.

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