Chronik der FF-Frohnau 1946-1985

 

Das Ende des 2. Weltkrieges war für das Leben der Stadt und damit natürlich auch für die Feuerwehr von ungleich stärkerem Einfluss als das des 1. Weltkrieges. Im Juli 1945 gab es in Berlin noch 9 Löschfahrzeuge, die Mannschaften waren in alle Winde verstreut. Bei ihrer Rückkehr nach Berlin brachten sie nur einen kleinen Teil der Geräte zurück, mit denen sie Berlin verlassen hatten. Die Besatzungsmächte hatten in ihren Sektoren unterschiedliche Regeln, welche Voraussetzungen für ein weiteres Wirken in der Feuerwehr erforderlich waren. Das galt auch für die Freiwillige Feuerwehr. So waren nur wenige altgediente Wehrmänner verfügbar. Die Wehr bestand aus weniger als 10 Männern. Bei der allgemeinen Ablehnung "alles Uniformierten" und der Notwendigkeit, alle Kraft darauf zu verwenden, die eigene Familie über diese Jahre zu bringen, war das Werben neuer Mitglieder ein hoffnungsloses Unterfangen. Nach persönlichen Erinnerungen war das erste Fahrzeug nach dem Krieg auf der Feuerwehr Frohnau ein englisches Sanitätsfahrzeug, das zu einem Gerätewagen umgebaut wurde. Es behielt seinen Tarnanstrich und hatte weder einen Löschwassertank noch eine eingebaute Motorpumpe. Zur Wasserförderung musste stets ein Anhänger mit einer tragbaren Motorpumpe mitgeführt werden. Weil der Einstieg in den Mannschaftsraum nur durch eine Flügeltür am Heck des Fahrzeugs möglich war, musste beim Eintreffen an der Einsatzstelle die Mannschaft erst durch Abkoppeln des Anhängers durch Fahrer und Beifahrer "befreit" werden. Der liegende Transport von Personen war mit diesem Fahrzeug sehr mühsam. Die Trage wurde durch die Hecktür eingeschoben. Dann war nur noch sehr wenig Platz für die Mannschaft vorhanden, die während der Fahrt darauf achten musste, dass keine Geräte aus den Fächern auf den Liegenden fiel. Für lange Jahre, vermutlich ab 1953, hatte die Wehr dann ein LF 15 vom Typ Opel Blitz (Baujahr 1943, seit November 1945 bei der Berliner Feuerwehr im Dienst). Dieses Fahrzeug hatte erstmalig einen eingebauten Wassertank und eine Feuerlöschkreiselpumpe. Die Leitung der Berliner Feuerwehr vertrat in diesen Jahren die Meinung, dass in einer modernen Grossstadt für eine Freiwillige Feuerwehr kein Bedarf mehr vorhanden sei. So wurden zwischen 1954 und 1957 10 Freiwillige Feuerwehren in Berlin aufgelöst und ihre Bezirke von Berufswehren übernommen. 5 dieser Wehren, darunter auch Hermsdorf und Waidmannslust, lagen im Bezirk Reinickendorf. Auch die Tatsache, dass bei Alarmierung der verbleibenden Freiwilligen Feuerwehren grundsätzlich Fahrzeuge der Berufswehren zusätzlich ausrückten, trug nicht zur Motivation und zum Erhalt ihres Selbstbewusstseins bei. Das Umdenken der Branddirektion nach 1957 fand Ausdruck im Berliner Feuerwehrgesetz von 1965, in dem die Aufgaben und die Organisation der Feuerwehr unter Einbeziehung der Freiwilligen Feuerwehren geregelt wurde. 1972 wurde mit der Freiwilligen Feuerwehr Wittenau erstmalig wieder eine Wehr neu gegründet. Sie war die erste der Art von Wehren, die bei einer Berufsfeuerwehr untergebracht sind. Diese Wehren werde bei Grosseinsätzen und Ausnahmezuständen alarmiert und haben 30 min. Zeit, ihre Einsatzbereitschaft zu melden. Daneben führen sie mit eigenen Fahrzeugen zeitlich geregelten Einsatzdienst durch. Damit ist es heute auch den Berlinern möglich bei der Feuerwehr freiwillig mitzuarbeiten, die nicht im Ausrückebezirk einer der Freiwilligen Wehren des alten Typs wohnen. Etwa 1968 wurde mit einem LF 16 (Magirus, Baujahr 1964) ein modernes Löschgruppenfahrzeug in Dienst gestellt, das dort bis 1981 seinen Dienst versah. Der allgemeine Aufschwung der Freiwilligen Feuerwehren Berlins hatte Frohnau damals noch nicht erreicht. Für Einsätze während der Werktage waren selten die für eine ordnungsgemäße Fahrzeugbesetzung erforderlichen Männer zusammen. Deshalb war die Regelung vernünftig, zu jedem Einsatz automatisch die nächstgelegene Berufswehr zur Mithilfe zu alarmieren. Diese Praxis wurde im gesamten Berliner Stadtgebiet bis 1969 ausgeübt, für Frohnau und Lübars mussten sie noch bis 1975 beibehalten werden. Die Funktion des Hauspostens mussten gelegentlich Ehefrauen der in der Nachbarschaft wohnenden Wehrmänner Übernehmen. Ein Feuerwehrmann der Betreuungswache Hermsdorf hat in Frohnau ständig Dienst, um Ereignismeldungen über Funk, Telefon oder persönlich entgegenzunehmen. Er ist auch zuständig für die Pflege von Fahrzeugen und Geräten, soweit das auf der Wache durchführbar ist und steht natürlich auch für Einsätze zur Verfügung. Zur Alarmierung der Wehrmänner wurde 1968 eine wesentliche Neuerung eingeführt. Jeder erhielt ein Selektivrufgerät, das von der Leitstelle der Berliner Feuerwehr in Siemensstadt ausgelöst werden kann. Die Geräte einer Wehr werden dabei mit einem bestimmten Funksignal angesprochen. Der erste Gerätetyp hatte die Größe einer Zigarrenkiste mit einer 1m langen Antenne. Die Geräte waren noch zu schwer und zu groß, um sie am Körper zu tragen, sie erhielten in der Regel ein Stammplatz in der Wohnung. Nach ihrer Einführung konnte zwischen 20 und 6 Uhr auf den Sirenenalarm verzichtet werden, der bei der ständig steigenden Zahl von Alarmierungen zu einem Ärgernis für viele Einwohner geworden war. Mit der Neufassung des Feuerwehrgesetzes von 1974 wurden Aufgaben, Ausbildung und Dienstzeit gesetzlich geregelt. Für die Ausbildung, die bisher weitgehend wachintern abgewickelt worden war, wurde jetzt eine Abteilung der Berliner Feuerwehr zuständig. Die Kurse finden seit dieser Zeit in der Feuerwehrschule in Schulzendorf statt. Die Ableistung der Grundausbildung mit 200 Unterrichtsstunden wurde nun für die beiden ersten Dienstjahre obligatorisch. Anschliessend können in weiteren Kursen Funktionen wie Fahrer, Maschinist und Funksprecher erworben werden. Eine weitere Aufwertung der Freiwilligen Feuerwehren brachte 1969 die Übernahme des Rettungsamtes Berlin durch die Feuerwehr. Durch diese Maßnahme stieg die Zahl der Einsätze erheblich an, weil nun auch in akuten Krankheitsfällen - wie z.B. Herzinfarkte - die Feuerwehr zu Erstversorgung und Transport alarmiert wurde. Durch Werbeaktionen im Rahmen der Brandschutzwochen und durch "Tage der offenen Türen" in verschiedenen Feuerwachen wurden die Berliner problembewusster für die Aufgaben der Feuerwehr. Die Zahl der Mitglieder in Frohnau stieg auf 20 und blieb seit dieser Zeit in dieser Größe. Durch die Verbesserung von Ausbildungsstand und Motivation fiel die Zahl der unbesetzten Alarme rapide ab, was zu Folge hatte, dass 1975 auch wieder der Frohnauer Feuerwehr die Selbstverantwortung für ihre Einsätze Übertragen wurde. Die Berufsfeuerwehr wird seit dieser Zeit nur in folgenden Fällen in Frohnau tätig: - wenn die Frohnauer Wehr nicht innerhalb von 3 Minuten die alarmierten Fahrzeuge besetzen kann - wenn Geräte erforderlich werden, die in Frohnau nicht stationiert sind (wie Drehleiter, Schlauchwagen) - wenn die Frohnauer Feuerwehr von der Einsatzstelle zusätzliche Hilfe anfordert. 1973 wurde ein Krankentransportwagen (KTW, VW-Bus) und 1975 ein Tanklöschfahrzeug (TLF16, Magirus) in Dienst gestellt. Der KTW fährt in etwa 75% der Alarme entweder allein oder gemeinsam mit dem Löschgruppenfahrzeug. Mit diesem speziell eingerichteten Fahrzeug wurde die Erste-Hilfe und der liegende Transport von Personen wesentlich erleichtert. Das Tanklöschfahrzeug kann aus seinem Löschwassertank von 2400l je nach Art und Zahl der Strahlrohre bis zu 20 min. Wasser geben. Es ist deshalb für Gras- und Waldbrände das Fahrzeug der Wahl. Das Jahr 1976 brachte - Ähnlich wie 1911 - durch seine extreme Trockenheit eine große Zahl von Wald- und Grasbränden. In diesem Jahr wurden auch die Selektivfunkgeräte ausgetauscht. Der neue Typ hat nur noch die Größe einer dicken Zigarre und kann in der Brusttasche getragen werden. Nachts werden die Empfänger in einem Ladegerät deponiert und sind dann wieder für gut 12 Stunden betriebsbereit. Sie alarmieren erstaunlich zuverlässig auch bei schlechten Empfangsverhältnissen. Seit ihrer Einführung kann auf den Sirenenalarm völlig verzichtet werden. Die Sirene wird nur noch einmal im Monat zur Probe ausgelöst. Die Rufgeräte sind sehr robust. Am 03.07.1981 fand ein Tausch des KTW in einen Rettungswagen (RTW, Daimler Benz) statt. In diesem Fahrzeug ist gutes Arbeitslicht und um die Krankentrage herum viel Platz vorhanden, so dass während der Fahrt zwei Feuerwehrmänner gleichzeitig Hilfe leisten konnten. Durch die federnd gelagerte Krankentrage und die Vakuummatratze ist ein schonender Transport vor allem von Personen, bei denen Wirbelsäulenverletzungen, Beckenbrüche oder andere schwere Frakturen vermutet werden, gewährleistet. Die Vakuummatratze ist ein mit Kunststoffkugeln gefüllter Plastiksack. Sie wird auf die Trage gelegt und aufgeschüttelt. Dann wird die verletzte Person vorsichtig darauf gelagert und die Luft aus dem Sack mit einer Pumpe abgesaugt. Dabei entsteht ein hartes, dem Körper genau angepasstes Bett, in dem ein sachgerechter Transport und sogar Röntgenaufnahmen möglich sind. Leider haben wir nach schweren Verkehrsunfällen, Fensterstürzen oder Ähnlichen Unfällen etwa einmal monatlich Bedarf für dieses Gerät. Nicht ohne Wehmut nahmen wir 1982 Abschied von den altgedienten Magirus- Fahrzeugen. Sie wurden durch wesentlich neuere MAN - Fahrzeuge in der Tageslichtleuchtfarbe mit Rolladen aus Aluminium statt der unfallträchtigen Flügeltüren vor den Gerätefächern ersetzt. Um diese Normfahrzeuge mit größerer Bauhöhe in der Wache unterbringen zu können, musste der Fußboden um 30cm abgesenkt werden. Bei diesem Umbau wurde auch die Sirene aus dem Dachgeschoss herausgenommen und neben der Wache aufgestellt. Weil die neuen Fahrzeuge auch breiter sind, ist das Einparken der Wagen - wegen der schnellen Abfahrtmöglichkeit natürlich Rückwärts - jetzt eine "Millimeterarbeit", die von Fahrer und Einweiser viel Konzentration erfordert. Im Sommer 1982 gab es wieder viele Einsätze in Folge langer Trockenheit. So wurden Kiefernschonungen bewässert und durch Umpumpen das Wasser des Hubertussees mit Sauerstoff angereichert. Am 05.08. bewahrten wir den Poloplatz vor dem völligen Austrocknen der Rasenfläche. Eine Umorganisation der Berliner Feuerwehr wurde 1983 vorgenommen. Eine Reihe von Aufgaben wurden dabei von der Direktion auf die Brandschutzabschnitte dezentralisiert. Frohnau gehört zum Abschnitt Nord und wechselte die Wehrnummer von 82 in 132. Bei diesen Organisationsänderungen versucht man stets statistische Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Bei den Alarmierungen ist das schwierig. So folgte oftmals nach Tagen ohne Alarmierung plötzlich eine Häufung ohne ersichtlichen Grund. In den vergangenen 10 Jahren kam es - abgesehen von Ausnahmezuständen - zweimal vor, dass unsere 3 Fahrzeuge zu getrennten Einsätzen fuhren. In solchen Extremfällen ist unsere Mannschaftsstärke mit 23 Mann natürlich knapp, und es mussten an beiden Tagen auch Männer mit privaten Wagen von der Einsatzstelle zur Wache gebracht werden, um das neu alarmierte Fahrzeug zu besetzen. In einem Fall dieser Art half uns auch ein Funkstreifenwagen der Polizei beim Mannschaftstransport. Sonst war die Wehr Personal- und gerätemäßig gut gerüstet und voll Zuversicht, die im Ort anfallenden Aufgaben sachgerecht lösen zu können. Das Verhältnis zu den Einwohnern, den Ärzten, den Krankenhäusern und der Polizei gab aus der Sicht der Frohnauer Feuerwehr keinen Anlass zum Klagen.

 
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